COMPANY BLOG OF THE SCHEUCH GROUP

My own personal Bangkok Survivor‘s Guide

Und warum man so etwas überhaupt braucht…

Hand aufs Herz: Wer denkt nicht zumindest ab und zu ans Auswandern? Ja, eh, Österreich ist wunderschön und wir haben dramatische Berge, kristallklare Seen und außerdem Arnold Schwarzenegger und Marcel Hirscher… aber, mein Gott, das Wetter hierzulande, das kann einen schon stark nerven! Schneegatsch, „Dauernööbi“ und Schnürlregen schlagen sich nieder im Gemüt und das ist die beste Brutstätte – zumindest ist das meine Theorie – für den, über die Grenzen hinaus bekannten, österreichischen Grant (oder vielleicht ist der eh nur ein Mythos?).

Lachende Menschen, weißer Sandstrand und sommerliche Temperaturen das ganze Jahr über, das klingt für uns Ösis schon sehr verführerisch, gell? Ich gestehe, ich genieße dieses Leben hier im tropischen Bangkok nun schon seit zweieinhalb Jahren. Aber bevor der Neid jetzt ins Unermessliche steigt und ich unsympathisch werde, abwarten und weiterlesen… es ist nämlich nicht ALLES Gold, was glänzt!

Ich bin ein Bangkokian

Eva Köck lebt seit zweieinhalb Jahren mit ihren drei Kindern und ihrem Mann Andreas, der hier für Scheuch eine Niederlassung aufbaut, in Bangkok. Die Halleinerin war in Österreich unter anderem für den ORF tätig.

Wie ist es, wenn man Bangkok nicht als Tourist für ein paar Tage, sondern als Expat (Abk. für Expatriates, Fachkräfte, die von einem international tätigen Unternehmen vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt werden) erlebt?

Ich behaupte: Das ist so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Auch die Exotik wird irgendwann einmal banal und spätestens nach einigen Monaten landet man hier im Alltag. Die einen mehr, die anderen weniger sanft… denn eines ist klar: Das Leben hier ist ein komplett anderes als in Europa. Es ist ein Leben mit vielen Annehmlichkeiten aber auch unerwarteten Hürden und Herausforderungen.

Was sollte man also mit auf die Reise nehmen, um in Bangkok sein Glück zu finden und nicht unterzugehen in diesem manchmal überwältigenden Gemisch aus Kulturen, Gerüchen und Widersprüchen?

Hier ist meine – gewollt – subjektive, gekürzt und nicht immer ganz ernst gemeinte „Überlebensliste“:

Durchhaltevermögen

Gut, Durchhaltevermögen, eh immer gut und wenig überraschend, aber – das glaubt mir jetzt keiner ­- ich beziehe mich hier auf das WETTER und oute mich jetzt einfach mal: Ich steh auf vier Jahreszeiten! Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind einfach super, da bin ich Traditionalistin.

Wobei ich mir schwer tue, sind die ewig sommerlichen, schwülen Temperaturen und der Dauersonnenschein hier in Bangkok (ja, ja… ich bin so arm!). Mein Mann würde jetzt sagen, dass es hier eh oft bewölkt ist, aber „sein“ bewölkt und „mein“ bewölkt ist offensichtlich etwas anderes.

Und, ja, es gibt auch eine Regenzeit, aber die ist für eine Salzburgerin aus der Nordstaulage eher ein Kindergeburtstag. Für die Thailänder ist jetzt gerade tiefster Winter und wir haben eine „Kältewelle“ hinter uns mit – Achtung, festhalten – Tiefstwerten um die 20 Grad – ein Traum! Endlich einmal ohne Klimaanlage schlafen und auf dem Balkon die Sonne genießen, anstatt vor ihr zu fliehen. Fazit: Sommer, Sonne, Sonnenschein sind gut für das Gemüt und die Seele, auf Dauer, zumindest für mich, aber auch nicht das Wahre.

Feste Schuhe und Sturzhelm

Vergiss Dengue Fieber, Politische Unruhen und Schlangen! Die größte Gefahr in Bangkok lauert auf der Straße! Laut eines Berichts der BBC sterben nur in Libyen mehr Leute im Straßenverkehr als in Thailand. http://www.bbc.com/news/world-asia-38660283

Dafür gibt es mehrere Gründe: Darunter Klassiker wie überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer, aber auch die schlechten Straßenverhältnisse und das geringe Sicherheitsbewusstsein der Thais tragen ihren Teil dazu bei.

In den Sois (so nennt man hier die kleineren Nebenstraßen) gibt es für Fußgänger teilweise überhaupt keine Gehsteige, man teilt sich die Fläche mit rund 9 Millionen Fahrzeugen. Das Bangkoker Verkehrsnetz ist für ungefähr 1,5 Millionen Fahrzeuge ausgerichtet (Quelle: Wikipedia).

Natürlich kann man auch auf den Skytrain (eine Art Hochbahn) oder die U-Bahn umsteigen, aber die sind für den durchschnittlichen Thailänder unerschwinglich und das Netz ist nicht gut genug ausgebaut. Viel günstiger sind da die unzähligen Motorrad-Taxis, die die Stadt jeden Tag überschwemmen und mit denen man zwar oft am schnellsten, aber sicher nicht am sichersten zu seinem Ziel kommt. Sturzhelme gibt es für den Fahrgast nicht, und auch ob die Motorräder verkehrstauglich sind, interessiert hier kaum jemanden.

Ich habe mittlerweile vorgesorgt und bringe meinen eigenen Sturzhelm mit  oder ich geh zu Fuß! Das ist heiß, dreckig und mühsam, aber ich komme bei kürzeren Strecken schneller voran, als mit dem Auto. Flip-Flop und Badesandalen sind bei mir mittlerweile hinten links im Schrank verstaut und werden nur für den Strandurlaub ausgegraben. Der Bangkok Profi greift, angesichts all der suspekten Schlaglöcher entlang des Weges, lieber zu Sneakers.

Partyoutfit & Highheels

Nach all den Nachrichten über Verkehrstote und Schlaglöcher kommen wir jetzt zu einem unbeschwerten Thema: dem Nightlife in der Stadt der Engel! Nicht erst seit dem Film „Hangover“ gilt Bangkok ja als Moloch, gezeichnet von Prostitution, Drogen und zwielichtigen Gestalten. Aber das ist nur eine Seite der Stadt, allerdings die Seite die viele Touristen zwecks Klischeesehnsucht gezielt suchen.

Die thailändische Hauptstadt hat noch viel mehr zu bieten. Versteckt in den kleinen Sois findet man exquisite Restaurants, hippe Bars und Themencafès. Bangkok ist unglaublich kreativ und bunt. Aber Achtung! Mit Flip-Flop, Shorts und Backpacker-Reisebudget bleibt einem diese Welt verborgen – die Bangkoker lieben es exklusiv. Thailänderinnen schmeißen sich vor dem abendlichen Ausgang ins enge Designerkleid (da bleibt nicht viel der Fantasie über), ein Frisörbesuch und perfekte Nägel sind sowieso Standard. Ladies, das ist ganz schön anstrengend…

Wurst und Käse

Klingt ja erst einmal banal, ist es aber ganz und gar nicht! Jeder, wirklich jeder der uns besucht, kann gar nicht genug kriegen vom thailändischen Essen. Kokosnuss Suppe mit Garnelen (Tom Yum Goong), Pad Thai und Sticky Rice mit Mango – die thailändische Küche ist eine volle Attacke auf Geruchs- und Geschmacksknospen. Ich und vor allem der Nachwuchs haben mittlerweile schon die Nase voll davon!

Aber Gott sei Dank leben wir ja in Bangkok, einem kulinarischen Schlaraffenland. Sushi, spanische Tapas, ja sogar französische Froschschenkel gibt es hier und das auch noch in hervorragender Qualität. Aber was es hier NICHT gibt – erraten – sind ein saftiger Speck und ein würziger österreichischer Käse. Und deswegen schmuggeln wir unser heimatliches Fresspacket kiloweise und mittlerweile sehr gekonnt ins Land und rationieren es, als wäre es Kaviar.

Übrigens: wer meint, die thailändische Küche sei gesund, der hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Theoretisch sind die frischen Zutaten ja sehr nährreich, aber wer weiß, wie großzügig hier mit Pestiziden, Geschmacksverstärkern und Zucker umgegangen wird, der landet schnell am Boden der Realität.

Maulkorb

So einen Maulkorb, den würden sich jetzt wahrscheinlich einige für den/die Partner/in wünschen. Ich bräuchte ihn aber für mich selbst und zwar nicht wegen meines Ehemannes (obwohl der sicher auch seine Freude hätte…). Im Land des Lächelns wird nämlich eines gar nicht geschätzt: kritisches Denken.

Das Essen ist kalt oder der Taxifahrer berechnet dir den doppelten Fahrpreis? Mund halten und lächeln! Erstens ist man hier als Ausländer sowieso immer der Blöde (wie überall auf der Welt) und zweitens sind Thailänder sehr sensibel und schnell beleidigt. Und – das kann man mir glauben – ein beleidigter Thailänder, ist ein unangenehmer Thailänder.

Bei kleinen Dingen habe ich mittlerweile gelernt, meine europäische Forschheit zu kontrollieren. Wenn es aber um gesellschaftliche Missstände, politische Korruption und die unreflektierte Königsverehrung hier geht, dann platzt mir der Kragen. Und deshalb achte ich sehr genau darauf mit wem ich rede: Mit einem Thailänder vermeide ich solche Themen. Denn die werden schon als kleine Kinder in der Schule brav darauf gedrillt, folgsam zu sein und ja nicht zu viel zu hinterfragen. Wie essentiell Presse- und Meinungsfreiheit für die Entwicklung einer Gesellschaft ist, das ist mir hier wieder einmal richtig bewusst geworden.

Mückenspray

Es gibt Gerüchte, die besagen, dass es hier in Bangkok von meterlangen Pythons nur so wimmelt – bitte, wo sind die? Auch wenn ich jetzt nicht wirklich scharf auf ein ausführliches Date bin, gesehen hätte ich so ein Vieh – aus sicherer Entfernung versteht sich – doch mal gerne. Liebe Touristen, keine Angst also, die Würgeschlangen hier sind ganz brav und bleiben lieber im Hintergrund.

Die wahren Bestien dieses Landes sind die MOSQUITOS und ich rede jetzt nicht von den gemütlichen Mücken, wie man sie aus Österreich kennt. Nein, diese Brummer sind echte Kampfmücken, die in Größe, Schnelligkeit und Hinterhältigkeit den unsrigen um Welten voraus sind und die noch dazu gefährliche Krankheiten übertragen können. Deshalb ist hier ein ordentlicher Mückenspray wichtiger als eine zuverlässige Pensionsversicherung und gehört immer in die Handtasche!

Putzmittel aus der Heimat

Gut, ich steh dazu: Ich mag es halt sauber. Das tun andere auch. Der Fakt, dass hier Putzmittel auf meiner Liste steht, macht mich noch lange nicht zum fanatischen Putzteufel, sondern hat mit der für mich nicht zufriedenstellenden Qualität thailändischer Putzmittel zu tun. Die riechen zwar alle sehr exotisch und haben schöne, bunte Farben, tun aber weder Haut noch Umwelt gut.

Toleranz

Wenn mich in Österreich jemand fragt, was es denn ist, was mich in Bangkok am meisten verändert hat, dann sind es die Menschen hier und ihre berührenden, einzigartigen und oft auch skurrilen Lebensgeschichten. Ob man Jude, Moslem, Christ, Hindu oder Buddhist ist, spielt zumindest hier, im fernen Bangkok, nur eine untergeordnete Rolle.

Bangkok ist ein Schmelztiegel und Toleranz anderen Kulturen gegenüber wird aus tiefster Überzeugung gelebt. Wer hier sein Glück finden und von dieser Vielfalt profitieren will, der sollte möglichst viele Vorurteile und Ängste über Bord werfen. Ansonsten bleiben einem viele Gesichter der Stadt verborgen.

Neueste Version von Whatsapp oder Skype

… zum Sehnsucht stillen. Wenn das Heimweh nach Familie und Freunden wieder einmal zu groß wird und man kurz der Mama „Servus“ sagen will, dann ist Whatsapp mein Rettungsanker und zuverlässiger Draht in die Heimat.